von Simone Gerdesmeier
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Film

A Dog´s Dream

OmeU / GR / 2005 / 88 min


R: Angelos Frantzis
D: Constantinos Markoulakis, Peggy Trikalioti, Aris Servetalis

Woher wissen wir, wann wir träumen und wann wir wach sind? Wer zieht die Grenzen zwischen dem Reich des Schlafes und dem, was wir so leichtfertig als Realität bezeichnen? Was macht uns so sicher, dass wir selbst nicht nur die Träume eines Anderen sind? Die bestürzende Erfahrung, dass die Wirklichkeit keinesfalls so fest gefügt ist wie angenommen, macht der Held in Angelos Frantzis surrealem Trip durchs nächtliche Athen. An Schlaflosigkeit leidend, irrt er durch die Straßen der Stadt und sieht sich plötzlich mit Ereignissen konfrontiert, die der Traumschilderung eines Arbeitskollegen auf mysteriöse Weise gleichen. Der Beginn einer phantastischen Reise, während der sich ein undurchlässiger Schleier des Irrealen über die Nacht legt. Flure, die sich ins Endlose zu dehnen scheinen, menschenleere nächtliche Straßen, intensive Farbigkeit - »A Dog´s Dream« überzeugt durch das treffende Zusammenspiel berauschender Bilder und sphärischer Musik. »La Mirage«, das Wunder, so heißt der Ort, an dem sich der Protagonist Antworten auf seine Fragen erhofft. Und so wundersam wie die Gemälde Dalís und René Magrittes dringt Frantzis Film vor in eine Welt voll schlafwandlerischer Schönheit.

Zuerst veröffentlicht im Programmheft des 12. Internationalen
Filmfest Oldenburg 2006
18.6.06 13:20


A Hole in My Heart

OmeU / SWE / 2004 / 98 min


R: Lukas Moodysson
D: Thorsten Flinck, Sanna Brading

Auf engstem Raum leben sie zusammen, Rickard, der Porno-Filmer, seine Darsteller Gecko und Tess und Rickards stiller, scheuer Sohn Erik, gescheiterte Existenzen allesamt. Im Taumel zwischen gegenseitiger Abscheu und dem Bedürfnis nach Nähe bilden die vier eine merkwürdige Ersatzfamilie – jeder von ihnen auf der Suche nach etwas, um das Loch in seinem Herzen zu stopfen, die innere Leere zu füllen. Unfähig, ihre Gefühle zu artikulieren, finden sie Erlösung nur durch Sex und Gewalt, im Ausleben von Fantasien, die andere Menschen sich nicht mal vorzustellen wagen. Moodysson rückt den Protagonisten mit seiner Kamera unerbittlich näher und näher, kehrt das Innere nach außen. Die Bilder sind extrem, sie sind schmerzhaft und sie lassen den Zuschauer keine Sekunde aus dem schrecklich faszinierenden Gemenge von Ekstase und Ekel entkommen. Noch eindringlicher aber sind die Gespräche und Monologe, die den Schmerz und die Verzweiflung der Charaktere schonungslos offen legen. Rickard, Gecko, Tess und Erik schaffen sich ihre eigene kranke Welt, denn an der Krankheit der Realität außerhalb ihrer vier Wände sind sie zerbrochen.

Zuerst veröffentlicht im Programheft des 12. Internationalen
Filmfest Oldenburg 2005
18.6.06 13:26


Crónicas

OmeU / EQU/MEX / 2004 / 98 min


R: Sebastián Cordero
D: Damián Alcázar, John Leguenzamo, Alfred Molina

»Una hora con la verdad« – »Eine Stunde der Wahrheit«, so heißt die TV-Sendung des Starreporters Manolo Bonilla. Mit Produzentin und Kameramann ist er in Ecuador auf der Jagd nach der nächsten heißen Story, auf den Spuren eines Kindermörders. Kaum angekommen, wird das Fernsehteam Zeuge versuchter Lynchjustiz. Vinicio Cepeda, selbst Stiefvater eines kleinen Jungen, wird der grausamen Taten beschuldigt und fast zu Tode getrampelt. Die Reporter wittern die Geschichte ihres Lebens - Vinicio soll zum unschuldig Verhafteten ausgebaut werden. Doch scheint er mehr Details über den Fall zu kennen, als ein wirklich Unschuldiger dürfte. Wahr ist, was das Fernsehen zeigt – schuldig oder unschuldig ist nur eine Frage der Berichterstattung. Die Manipulationskraft der Kamera kann das Gesicht eines Jedermanns gleichermaßen in das Antlitz des brutalen Mörders oder des bedauernswerten Opfers verwandeln. Sebastián Corderos atmosphärische Bilder aus den Slums Ecuadors brechen die Faszination des Fernsehens und erschüttern den Glauben in die Nachrichten. »Eine Stunde der Wahrheit« – nicht mehr als ein Euphemismus für die gut getarnte Sensationsgier professioneller Lügner.


Zuerst veröffentlicht im Programmheft des 12. Internationalen Filmfest Oldenburg 2006
18.6.06 13:23


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